Die JA- und NEIN-Einstellung erkennen

Schon gewusst? Wenn wir etwas nicht mögen, verschließen wir instinktiv den Mund. „Das kommt hier nicht rein. Lass mich!“

Gefällt uns hingegen etwas – oder jemand –, dann öffnet sich der Mund leicht. Der Atem fließt plötzlich über Nase UND Mund. Unsere Haltung wird weicher, offener, zugewandter. „Das mag ich. Wie schön. Erzähl mehr!“

Das ist leicht zu beobachten: unsere körpersprachliche JA-Einstellung. Der Mund ist dabei natürlich nur ein kleiner Teil des Ganzen. Unser gesamter Körper spricht ständig mit: Hände, Schultern, Augen, Atmung, Stimme und Körperspannung senden laufend Signale nach außen. Oft schneller und ehrlicher als unsere Worte.

In einer klaren NEIN-Einstellung verschließen sich nicht nur die Lippen.

Auch die Augen werden schmäler, die Augenbrauen ziehen sich leicht zusammen, der Körper zieht sich zurück.

Häufig sehen wir eine abwehrende Handbewegung oder verschränkte Arme. Der Körper sagt: „Nein. Will ich nicht. Das ist mir zu viel.“

Nun kannst du sicher sein, dass dein Gesprächspartner nicht begeistert ist. Jetzt kommt gleich ein Gegenargument oder Ablehnung.

Ganz anders wirkt die körpersprachliche JA-Einstellung. Hier öffnen sich gleich mehrere „Sinnestore“:

  • Die Augen sind entspannt geöffnet
  • Die Hände bleiben beweglich und kontaktbereit
  • Die Ohren sind aufmerksam
  • Die Körperspannung wirkt lebendig und ruhig zugleich

Auch die Körperspannung verändert sich. Der Körper befindet sich nun in einer angenehmen Balance – weder angespannt noch schlapp. In der Körperarbeit nennt man diesen Zustand Eutonus: eine gesunde, lebendige Spannung. In diesem Zustand fühlen wir uns wohl, sicher und dialogbereit.


Körpersprache lesen: Fühlt sich mein Gegenüber gerade wohl?

Wer Körpersprache bewusster wahrnimmt, kann Gespräche deutlich besser einschätzen. Oft merken wir intuitiv, dass „etwas nicht stimmt“ – der Körper liefert uns die Hinweise dazu.

Das Lächeln als wichtiger Hinweis

Ein besonders guter Indikator ist das Lächeln. Kommt ein Lächeln leicht und mühelos und verschwindet wieder natürlich, sobald der Moment vorbei ist, dann spricht vieles für eine entspannte Wohlspannung.

Bleibt ein Lächeln dagegen wie „angeklebt“, obwohl es gerade keinen Anlass mehr dafür gibt, deutet das oft auf innere Anspannung hin. Viele Menschen lächeln aus Unsicherheit oder um Konflikte zu vermeiden.

Geschlossene Lippen – geschlossener Dialog?

Auch die Lippen verraten viel: Schließen sich die Lippen nach jedem Satz sofort wieder fest, kannst du davon ausgehen, dass die Person gerade wenig Lust auf echten Austausch hat. Der Körper macht immer wieder „die Luken dicht“.

Wenn der Körper sich zurückzieht

Ebenso wichtig ist die Körperspannung insgesamt. Nicht jede NEIN-Einstellung zeigt sich kämpferisch oder abwehrend. Es gibt auch die zurückgezogene Variante mit sehr niedriger Körperspannung.

Besonders bei Teenagern können wir das oft beobachten: eingesunkener Brustkorb, nach vorne fallende Schultern, wenig Körperspannung im Gesicht, undeutliche Aussprache. Jede Bewegung scheint anstrengend zu sein. Der Körper signalisiert:
„Lass mich einfach in Ruhe.“

Das ist übrigens keine „schlechte Haltung“, sondern oft eine Schutzstrategie. Wenn Menschen irgendwo sein müssen, obwohl sie innerlich längst ausgestiegen sind – in Meetings, in der Schule oder bei unangenehmen Gesprächen –, zieht sich der Körper häufig zurück.


Körpersprache bewusst wahrnehmen – ohne vorschnell zu urteilen

Wichtig ist dabei: Körpersprache ist nie eine starre Übersetzung nach dem Motto „Diese Geste bedeutet genau das.“ Viel entscheidender ist das Gesamtbild:

  • Wie bewegt sich die Person normalerweise?
  • Was verändert sich plötzlich?
  • Passt das Gesagte zur Körpersprache?
  • Wird der Körper offener oder verschlossener?

Wer aufmerksam beobachtet, entwickelt mit der Zeit ein feineres Gespür für Stimmungen, Unsicherheiten oder Offenheit.


Drei einfache Tipps für bessere Gespräche

1. Auf die Atmung achten

Wird die Atmung flach und hektisch, steigt meist die Anspannung. Eine ruhige, freie Atmung zeigt oft Sicherheit und Offenheit.

2. Das Tempo anpassen

Spricht dein Gegenüber langsam und zurückhaltend, wirkt zu viel Druck schnell überfordernd. Wer Tempo, Lautstärke und Energie etwas anpasst, schafft leichter Vertrauen.

3. Die eigene Körpersprache bewusst einsetzen

Offene Hände, entspannte Schultern und ein ruhiger Blick wirken oft einladender als perfekte Worte. Menschen reagieren stark auf die Körpersprache ihres Gegenübers – meist unbewusst.


Erfolgreiche Kommunikation beginnt beim Wahrnehmen

Wenn du im Gespräch deine „Fühler“ ausstreckst und wahrnimmst, in welchem nonverbalen Modus sich dein Gegenüber gerade befindet, wirst du deine Worte bewusster wählen und dich besser auf die andere Person einstellen können.

Und genau dort beginnt erfolgreiche Kommunikation:

Nicht nur hören, was gesagt wird – sondern auch wahrnehmen, was der Körper erzählt.


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